Kabelloser Winkelschleifer im Test
Bosch Professional GWS 18V-8
Mit dem GWS 18V-8 Professional bietet Bosch einen kabellosen Winkelschleifer an, der als Einstiegsgerät in die 18-Volt-Akkuklasse der blauen Serie konzipiert ist. Das Gerät verspricht die Flexibilität des Akku-Betriebs bei kompakter Bauform für Trennscheiben mit einem Durchmesser von 125 Millimetern. In unserem Test analysieren wir den Schleifer anhand einer standardisierten Nutzwertanalyse und bewertet alle Leistungsbereiche.
Fazit
Unser Urteil
Detaillierte Auswertung
- Durchzugskraft
- Ergonomie
- Sicherheit
- Scheibenwechsel
- Verarbeitung
- Bürstenloser Motor
- Hervorragender Staubschutz
- Uneingeschränkte Mobilität
- Ruckfreier Start dank Sanftanlauf
- Drehzahleinbruch bei Last
- Hohes Gesamtgewicht durch Akku
- Werkzeuggebundener Scheibenwechsel
- Fehlende Auslaufbremse
Der Bosch GWS 18V-8 Professional erweist sich im Test als solides, kabelloses Basiswerkzeug für den mobilen Einsatz. Mit einer gewichteten Gesamtnote von 3,54 platziert er sich im gesunden Mittelfeld des Marktes. Er schließt die Lücke zwischen billigen Heimwerker-Akkugeräten und den hochpreisigen Profi-Modellen mit Vollausstattung.
Leistungsfähigkeit und Durchzugskraft im Akku-Betrieb
Der Bosch GWS 18V-8 ist mit einem bürstenlosen Motor (Brushless Motor) ausgestattet, der eine Leerlaufdrehzahl von 11.000 Umdrehungen pro Minute bereitstellt und damit nominell auf dem Niveau kabelgebundener Geräte liegt. Im praktischen Einsatz zeigt sich jedoch, dass die tatsächliche Durchzugskraft stark von der Wahl des verwendeten Akkus abhängt.
Beim Trennen von dünneren Blechen, Kabelrinnen oder beim Kürzen von Fliesen liefert die Maschine mit einem Standard-Core18V-Akku eine absolut solide und flüssige Performance. Die Kraftübertragung des bürstenlosen Motors arbeitet effizient und materialschonend.
Die Grenzen des 18-Volt-Systems werden jedoch unter hoher Last sichtbar. Da dem GWS 18V-8 eine Konstantelektronik zur Drehzahlstabilisierung fehlt, bricht die Drehzahl spürbar ein, sobald man die Scheibe mit erhöhtem Anpressdruck in massiveren Stahl oder Beton zwingt. Um ein Blockieren oder das Greifen der elektronischen Überlastabschaltung zu verhindern, muss der Anwender den Druck reduzieren und die Maschine mit Geduld arbeiten lassen. Für schwere Schrupparbeiten im Dauerbetrieb ist das Gerät spürbar unterdimensioniert.
In puncto Wärmeentwicklung arbeitet das bürstenlose System sehr effizient. Der Motor erzeugt weniger Abwärme als klassische Bürstenmotoren, wodurch sich die Erwärmung des Handgriffs auch bei längeren Schnitten in engen Grenzen hält.
- Uneingeschränkte Mobilität
- Angenehmes Anlaufverhalten
- Robuster Staubschutz
Gute Ergonomie mit gewichtsbedingten Einschränkungen
Im Bereich Handhabung bietet der Bosch GWS 18V-8 das typisch solide Niveau der blauen Bosch-Geräte, muss jedoch dem Akku-Konzept konstruktionsbedingt Tribut zollen. Das Gehäuse selbst ist im Griffbereich ergonomisch geformt und sauber strukturiert, erreicht jedoch nicht ganz den extrem schlanken Korpus des kabelgebundenen Bruders.
Der entscheidende Faktor bei der Handhabung ist das Betriebsgewicht. Ohne Akku wiegt das Gerät moderate 1,6 Kilogramm. Klickt man jedoch einen leistungsfähigen ProCORE18V-Akku mit 4,0 oder gar 5,5 Amperestunden ein, der für eine angemessene Laufzeit notwendig ist, steigt das Gesamtgewicht schnell auf 2,5 bis 2,8 Kilogramm. Bei längeren Überkopf-Arbeiten führt dies zu einer spürbar schnelleren Ermüdung der Arme. Die Balance ist durch das Gegengewicht des Akkus am Heck bei horizontalen Schnitten gut, im vertikalen Einsatz jedoch leicht hecklastig.
Das Vibrationsverhalten ist als gut zu bewerten. Das Getriebe läuft mechanisch sauber, und der Standard-Zusatzgriff dämpft die gröbsten Schwingungen, verzichtet aber auf eine integrierte, elastische Vibrationsentkopplung.
Der seitliche Schiebeschalter ist gut positioniert und rastet knackig ein. Ein versehentliches Ausschalten im Betrieb wird dadurch wirksam verhindert, das Einschalten mit dicken Lederhandschuhen verlangt jedoch etwas Zielgenauigkeit.
Zeitgemäße Basis-Sicherheit ohne High-End-Features
Bei den Sicherheitseinrichtungen zeigt der GWS 18V-8 ein gemischtes Bild, das seiner Positionierung als Einstiegsgerät entspricht. Er bietet modernen Schutz bei alltäglichen Fehlern, spart aber an den teuren Assistenzsystemen der Top-Modelle.
Ein elektronischer Rückschlagschutz (KickBack Control), der den Motor bei einem plötzlichen Verkanten der Scheibe in Millisekunden abschaltet, ist in dieser Ausführung leider nicht integriert. Wenn die Scheibe im Material blockiert, stoppt zwar die Überlastleitung nach einer spürbaren Verzögerung den Motor, der mechanische Drehstoß schlägt jedoch zunächst auf die Handgelenke durch.
Vorbildlich gelöst ist der integrierte Wiederanlaufschutz. Wird der Akku gewechselt, während der Schalter noch auf „Ein“ arretiert ist, bleibt die Maschine beim Einklicken des neuen Energiespeichers stumm. Zudem verfügt das Gerät über einen elektronischen Sanftanlauf, der die Drehzahl beim Einschalten gleichmäßig hochfährt. Dies verhindert den typischen Einschaltruck im Handgelenk und schont gleichzeitig das Getriebe.
Die Schutzhaube ist codiert und absolut verdrehsicher gelagert, was im Falle eines Scheibenbruchs maximalen Schutz bietet. Zum Verstellen des Winkels muss jedoch, wie beim kabelgebundenen Einstiegsmodell, eine Kreuzschlitzschraube gelöst werden. Eine werkzeuglose Schnellverstellung per Hebel fehlt. Eine mechanische oder elektronische Auslaufbremse ist ebenfalls nicht verbaut; nach dem Ausschalten läuft die Scheibe mehrere Sekunden lang nach.
Flexibilität im System, aber Defizite beim Zubehörwechsel
Die Kategorie Flexibilität ist die Paradedisziplin jedes Akku-Werkzeugs, offenbart beim GWS 18V-8 aber Licht und Schatten beim Rüstkomfort. Die Unabhängigkeit vom Stromnetz ist im mobilen Einsatz, auf Gerüsten oder bei schnellen Trennarbeiten im Außenbereich ein unschätzbarer Vorteil. Zudem ist die Maschine vollkompatibel mit dem gesamten Bosch Professional 18V System sowie der markenübergreifenden AmpShare-Akku-Allianz.
Beim eigentlichen Scheibenwechsel stagniert das Gerät jedoch auf traditionellem Niveau. Der Wechsel erfordert den klassischen Griff zum Zweiloch-Stirnlochschlüssel, um die Spannmutter auf dem M14-Gewinde zu lösen. Ein werkzeugloser Komfort oder das moderne X-LOCK-Klicksystem sind bei diesem Modell nicht vorhanden. Wer ohne Schlüssel arbeiten möchte, muss manuell eine Schnellspannmutter nachrüsten.
Der flache Metallgetriebekopf lässt sich immerhin durch das Lösen von vier Schrauben in 90-Grad-Schritten drehen, um die Schalterposition für Linkshänder oder spezielle Schnittwinkel optimal anzupassen. Aufgrund des wegfallenden Kabels, aber des traditionellen Wechselsystems erreicht das Gerät in diesem Bereich 3,40 von 5 Punkten, was bei einer Gewichtung von 15 Prozent einen Wert von 0,51 ergibt.
Hohe Standzeit dank bürstenloser Motortechnologie
In der Kategorie Verarbeitung und Langlebigkeit kann der GWS 18V-8 seine modernen Konstruktionsmerkmale voll ausspielen und sich deutlich von günstigen Consumer-Modellen absetzen.
Der größte Pluspunkt ist der bürstenlose Motor. Da keine Kohlebürsten mehr vorhanden sind, entfällt der mechanische Verschleiß dieser Bauteile komplett. Eine regelmäßige Wartung oder das Abschrauben des Gehäuses zum Bürstenwechsel gehören der Vergangenheit an. Zudem erhöht der bürstenlose Aufbau den Wirkungsgrad und verlängert die Lebensdauer des Motors erheblich.
Der Staubschutz der Elektronik und der Wicklungen ist robust ausgeführt. Ein feines Schutzgitter an den Lufteinlässen hält grobe Partikel und metallischen Schleifstaub vom Motorinneren fern. Das schrägverzahnte Metallgetriebe läuft präzise, vibrationsarm und ist für eine lange Lebensdauer im Werkstattalltag ausgelegt. Das Gehäuse besteht aus schlagfestem Kunststoff und ist sauber verarbeitet.
Redaktionelles Urteil
Der GWS 18V-8 ist die ideale Anschaffung für Handwerker und Werkstätten, die bereits über Akkus des Bosch 18V-Systems verfügen und ein robustes Sologerät (Soli-Version) für schnelle, flexible Trenn- und Schleifarbeiten zwischendurch suchen. Wenn primär dünne Materialien, Fliesen oder kleinere Profile auf Montage ohne Steckdose bearbeitet werden sollen, überzeugt die Maschine vollkommen. Wer hingegen einen Akku-Schleifer für den schweren, täglichen Dauereinsatz beim Schruppen oder beim Tiefentrennen von Beton sucht, sollte zu den größeren Schwestermodellen mit Konstantelektronik und integrierter KickBack Control greifen.
Bewertung
Leistungsfähigkeit & Durchzugskraft |
gut (2,4) |
|---|---|
| Nennaufnahme / tatsächliche Abgabeleistung | / |
| Drehzahlstabilität unter starker Last | |
| Temperaturverhalten / Kühlung bei Dauerlast | / |
Ergonomie & Handhabung |
gut (2,3) |
| Griffumfang (Grip-Umfang) & Gehäuseform | |
| Gewicht und Gewichtsverteilung (Balance) | |
| Vibrationsdämpfung (Haupt- & Zusatzgriff) | |
| Erreichbarkeit & Bedienbarkeit des Ein-/Ausschalters | |
Sicherheitseinrichtungen |
befriedigend (3,4) |
| Rückschlagschutz (KickBack Control / El. Kupplung) | |
| Wiederanlaufschutz bei Spannungsunterbrechung | |
| Verdrehsichere & werkzeuglose Schutzhaubenverstellung | |
| Auslaufbremse (Schnellstopp der Scheibe) | |
| Sanftanlauf (Anlaufstrombegrenzung) | |
Werkzeugloser Wechsel & Flexibilität |
gut (2,3) |
| Spindelarretierung und Mutternsystem | |
| Flexibilität durch Gehäusekopf-Drehbarkeit | |
| Kabellose Freiheit | |
Verarbeitung & Standzeit |
sehr gut (1,3) |
| Staubschutz der Wicklungen (Epoxidharz-Panzerung) | |
| Qualität des Getriebes / Kohlebürsten-Abschaltung | / |
| Wartungsfreundlichkeit | |
Bewertung |
gut (2,5) |