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Zwischen Geysiren und Gletschern

Beste Reisezeit und Klima für Island

Rau, schroff und extrem, die gewaltige Kraft der Natur prägt die isländische Landschaft. Durch vulkanische Aktivitäten wurde das Land geschaffen, die zahlreichen Gletscher haben ihm über Jahrtausende seine heutige Form gegeben – und diese ist nach wie vor wild und ungebändigt. Es lohnt sich, die Geologie, Tierwelt oder Wildnis des Hinterlandes detaillierter zu erkunden.

25.06.2026 11:32 Uhr 8 Min.
Seljalandsfoss Wasserfall auf Island

Island, die größte Vulkaninsel der Erde direkt am Polarkreis, fasziniert durch eine geologische Urgewalt, die in Europa ihresgleichen sucht. Das Land bricht mit allen klassischen Reisezeit-Regeln: Hier treffen fauchende Geysire, brodelnde Schlammtöpfe und gewaltige Lavafelder direkt auf die gigantischen Eismassen der größten Gletscher des Kontinents. Das Klima wird maßgeblich vom Aufeinandertreffen des warmen Golfstroms mit der eisigen arktischen Luft bestimmt. Die Reiseplanung auf dieser Insel ist ein extremes Timing-Spiel zwischen den endlosen Tagen der sommerlichen Mitternachtssonne, unpassierbaren Hochlandpisten und den stürmischen, dunklen Winternächten, die wiederum die Bühne für die spektakulären Polarlichter bieten.

Auf einen Blick: Die beste Reisezeit für eine klassische Island-Rundreise entlang der gesamten Ringstraße liegt in den Monaten Juni bis August. In diesem kurzen Sommerfenster sind alle Straßen eisfrei, die Tage fast 24 Stunden lang und das Hochland wird für Allradfahrzeuge freigegeben.

Klima

Islands Wetter ist berühmt für seine extreme Wechselhaftigkeit. Es wird maßgeblich durch zwei gegensätzliche Phasen bestimmt, wobei der Wind landesweit der dominierende Faktor ist:

  • Der kühle, helle Sommer (Juni bis August): Das verlässlichste Reisefenster. Die Temperaturen liegen tagsüber bei milden 11 °C bis 15 °C, im windgeschützten Landesinneren selten auch um die 20 °C. Das prägendste Phänomen ist die Mitternachtssonne: Im Juni wird es nachts überhaupt nicht dunkel. Regen und dichter Nebel können jedoch auch im Sommer jederzeit im stündlichen Wechsel mit Sonnenschein auftreten.
  • Der stürmische, dunkle Winter (Oktober bis April): Die Temperaturen sind dank des Golfstroms an den Küsten überraschend moderat und treiben meist um den Gefrierpunkt (-2 °C bis 3 °C), im Hochland ist es deutlich kälter. Das Hauptproblem ist nicht die Kälte, sondern die extrem kurzen Tage (nur 4 bis 5 Stunden Tageslicht im Dezember) und die brutalen atlantischen Winterstürme, die regelmäßig zu kompletten Straßensperrungen führen.

Klima in Reykjavik

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
Tagestemperatur 2 3 3 6 9 12 13 13 10 7 3 2
Nachttemperatur -3 -2 -2 0 4 7 8 8 5 2 -1 -3
Wassertemperatur 6 6 6 7 8 9 11 11 10 8 8 7
Regentage 20 17 18 18 16 15 15 16 19 21 18 20

Beste Reisezeit

Roadtrips & Kompakt-Rundreisen (Die Ringstraße / Route 1)

Das Umrunden der gesamten Insel auf der rund 1.330 Kilometer langen Asphaltader, vorbei an den mächtigsten Wasserfällen, schwarzen Sandstränden und den Ostfjorden.

Beste Reisezeit: Juli und August. In diesen zwei Monaten ist das Risiko von plötzlichem Glatteis, Schneestürmen oder temporären Straßensperren auf den Pässen der Ringstraße am geringsten. Zudem haben alle Campingplätze, Tankstellen und Schotterpisten-Zufahrten zu den Sehenswürdigkeiten uneingeschränkt geöffnet.

Polarlicht-Fotografie & Eishöhlen-Exkursionen (Südküste & Vatnajökull)

Das Jagen der tanzenden, grünen Aurora Borealis am Nachthimmel und das Durchschreiten der surreal blauen, natürlichen Eishöhlen tief im Inneren des Gletschers Vatnajökull.

Beste Reisezeit: November bis Februar. Für die Eishöhlen ist der tiefe Winter zwingend erforderlich, da die Höhlen erst durch den Dauerfrost stabil und sicher begehbar werden. Gleichzeitig garantieren die extrem langen, pechschwarzen Winternächte die besten Kontraste, um Polarlichter zu beobachten, sofern der Himmel wolkenfrei ist.

Sehenswürdigkeiten passend zur Reisezeit entdecken

Das geothermale Hochlandparadies Landmannalaugar

Ein surreal schönes Vulkangebiet im südlichen Hochland, bekannt für seine farbenprächtigen Rhyolithberge, dampfenden heißen Quellen und spektakulären Trekkingpfade (Laugavegur).

Beste Reisezeit & Timing: August (Mittlere Vormittagsstunden). Landmannalaugar ist ausschließlich über unbefestigte F-Straßen erreichbar, die oft bis weit in den Juli hinein wegen Schneematsch gesperrt sind. Timing-Tipp: Triff mit einem robusten 4x4-Geländewagen (Furt-Erfahrung zwingend erforderlich!) gegen 09:30 Uhr am Camp ein. Zu dieser Zeit steht die Sonne hoch genug, um die intensiven Gelb-, Rot- und Grüntöne der Schwefelberge voll auszuleuchten, bevor am Nachmittag oft dichte Wolkenbänder die Berggipfel einhüllen.

Die Papageitaucher-Kolonien am Kap Dyrhólaey (Vik)

Die markanten, schwarzen Basaltklippen an der Südküste, die im Sommer als Brutstätte für hunderttausende der ikonischen Atlantischen Papageitaucher (Puffins) mit ihren bunten Schnäbeln dienen.

Beste Reisezeit & Timing: Juli (Später Abend exakt um 21:00 Uhr). Die Hauptbrutsaison dauert nur von Mitte Mai bis Mitte August. Timing-Tipp: Besuche die Klippen von Dyrhólaey während der Mitternachtssonne gegen 21:00 Uhr abends. Tagsüber sind die Vögel fast durchgehend auf dem offenen Meer auf Fischfang. Erst am späten Abend kehren sie in riesigen Schwärmen zu ihren Erdhöhlen in den Klippen zurück und lassen sich im weichen, endlosen Abendlicht aus nächster Nähe beobachten.

Die Gletscherlagune Jökulsárlón (Südosten)

Ein monumentaler See am Rande des Breiðamerkurjökull-Gletschers, auf dem riesige, tiefblaue Eisberge majestätisch treiben, bevor sie über einen kurzen Flusslauf am kohlenschwarzen Diamond Beach angespült werden.

Beste Reisezeit & Timing: September (Sonnenaufgang). Der September bietet die perfekte Balance aus eisfreien Straßen und dem Beginn der dunklen Nächte. Timing-Tipp: Positioniere dich exakt zum Sonnenaufgang (je nach Datum gegen 06:30 Uhr) am Diamond Beach. Wenn die ersten Sonnenstrahlen des Tages durch die glasklaren, wie Diamanten auf dem schwarzen Vulkansand liegenden Eisbrocken brechen, entfaltet der Ort seine maximale visuelle Kraft, bevor die Touristenbusse aus Reykjavík eintreffen.

Insider-Warnungen: Die Hochland-Sperre und das trügerische "Fünf-Minuten-Mantra"

Island fordert Reisende durch seine extreme Natur und strenge logistische Restriktionen heraus, die eine flexible Planung zwingend voraussetzen:

  • Die absolute F-Straßen-Sperre im Frühjahr: Ein klassischer und fataler Fehler von Selbstfahrern. Wer im Mai oder Juni nach Island reist, um das unberührte Innere der Insel (wie die Askja-Caldera oder die Kjölur-Piste) zu erkunden, scheitert an eisernen Verbotsschildern. Die sogenannten F-Straßen (Hochlandpisten) sind im Frühling aufgrund der Schneeschmelze und des tief aufgeweichten Bodens strikt gesperrt. Wer unbefugt einfährt, riskiert horrende Strafen und den kompletten Verlust des Versicherungsschutzes. Die Freigabe erfolgt oft erst zwischen Mitte Juni und Anfang Juli.
  • Das isländische Wetter-Mantra und die "Windsack-Falle": In Island gilt das Sprichwort: "Wenn dir das Wetter nicht passt, warte fünf Minuten." Was wie ein Scherz klingt, ist Realität. Ein strahlend blauer Himmel kann sich binnen kürzester Zeit in einen ausgewachsenen Sturm mit horizontalem Regen verwandeln. Die größte Gefahr im Winter und Übergangsmonaten sind die extremen Sturmböen an den Südküsten, die regelmäßig die Autotüren von Mietwagen beim Öffnen aus den Verankerungen reißen. Parke das Fahrzeug immer mit der Schnauze gegen den Wind und halte die Türen beim Aussteigen mit beiden Händen fest.

Fazit: Wann solltest du nach Island reisen?

Für eine vollständige und sichere Rundreise entlang der Ringstraße sowie für Wanderungen im unberührten Hochland sind die Monate Juli und August die absolute Top-Reisezeit. Du profitierst von maximalem Tageslicht, milden Temperaturen und voll geöffneter Infrastruktur. Wer das Land mit deutlich weniger Touristen erleben und die Chance auf erste Polarlichter nutzen möchte, wählt die exzellenten Übergangsmonate Mai oder September. Für das reine Winterabenteuer mit Fokus auf Eishöhlen und die Aurora Borealis ist das Zeitfenster von November bis Februar ideal. Die extremen Übergangsmonate April und Oktober bieten durch den schnellen Wetterwechsel oft weder echten Winterzauber noch stabilen Sommerkomfort.

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